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Das Gestüt Fredriksborg...

...und die spanischen Wurzeln
historische Knabstrupper





getigerter Lipizzaner - der Wiener Hengstlinienbegründer Pluto war eigentlich ein weißgeborener Fredriksborger...

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das dänische Staatsgestüt von Frederik II gegrüdet. Damit begann auch die Zucht der berühmten dänischen weißgeborenen Pferde die nicht nur vor der dänischen Staatskarosse zum Einsatz kamen. Die russischen Zaren ließen auf den jährlichen Auktionen ebenso Pferde ersteigern wie andere europäische Fürstenhäuser. Allen voran die Habsburger die neben vielen Stuten auch den weißen Hengst Pluto nach Wien holten, wo er zum Begründer der ältesten Hengstlinie bei den Lipizzanern avancierte.

Züchterische Basis des Gestüts waren nicht nur dänische Pferde - vor allem auch spanische Hengste wurden für die Zucht auf Fredriksborg eingesetzt. So ist beispielsweise dokumentiert, dass 1683 der schwarze Hengst Superbe aus dem Karthäuser Klostergestüt in Jerez de la Frontera nach Dänemark geholt wurde.

Das dänische Königshaus betrieb jedoch bereits seit Jahrhunderten eine organisierte Zucht von Kriegs- und Galapferde für Könige und Fürsten. Diese dänische Pferdezucht fand in der Barockzeit auf Schloss Fredriksborg ihre Hochblüte, die Pferde aus diesem Königsgestüt viele Jahrhunderte lang zu den gefragtesten Rössern bei den europäischen Fürstenhäusern werden ließ.

Der Fredriksborger wurde als typische barocke Rasse gezüchtet und auch eingesetzt. Erst mit dem Wandel der Anforderungen an die Pferde und mit dem Einfluss des britischen Empire auf den Geschmack der Zeit waren die barocken Pferde der europäischen Staatsgestüte nicht mehr gefragt. Und was in Wien mit einer Verpflichtung zur Reinzucht der Lipizzaner verhindert werden konnte, führte durch den Einfluss "neuer" Rassen (allen voran das Englische Vollblut) beinahe zum Niedergang des alten Fredriksborgers.


Das Gestüt Knabstrup...

...und der dänische Ursprung
historische Knabstrupper

Gespann vor Gut Knabstrup



Mikkel, geboren 1920 auf Gut Knabstrup


Als Major Lunn um 1800 begann, Pferde von dem in Auflösung befindlichen Gestüt Fredriksborg zu kaufen, hatte er nicht die Schaffung einer neuen Rasse im Sinn. Er wollte das alte bewahren und das barocke Pferdeideal erhalten. Dabei legte er auch besonderen Wert auf Ausdauer, Kraft und Zähigkeit.

Der Zufall wollte es, dass es oft getigerte Tiere waren, die seinen hohen Anforderungen entsprachen.


So begründete auch die getigerte Stute, die im Zuge der Napoleonischen Kriege von Spanien nach Dänemark gelangte, auf Gut Knabstrup einen Hauptstamm des heutigen Knabstruppers. Diese Flaebe-Stute wurde auf dem dänischen Gut mit einem Fredriksborger-Hengst belegt, der direkt auf oben erwähnten Superbe zurückging.

Vor allem ihre Kraft und Ausdauer machte die Knabstrupper zu begehrten Pferden. Aus diesem Grund kamen die Tiere von Gut Knabstrup nicht nur in anderen großen Pferdezuchten sondern auch in den angrenzenden Landwirtschaften zum Einsatz. Auf Gut Knabstrup selbst wurde die Pferdezucht nach einigen Unfällen und Rückschlägen Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt.


Die private Zucht...

...und ihre barocke Zukunft
historische Knabstrupper

Max Bodliskaer - der leider keine direkte Hengstlinie begründete



Mikkel, geboren 1944

Knabstrupper wurden in alle Erdteile verkauft. Knabstrupper gingen in vielen Pferderassen auf. Und viele Fremdrassen verwässerten durch die Errichtung eines offenen Zuchtbuches und dem damit verbundenen Einkreuzen moderner Sportpferde das barocke Ideal der in privater Hand verbliebenen Restbestände.

Dennoch: manche Linien des alten Knabstruppers wurden teils durch Zufall, und im Laufe des vergangenen Jahrhunderts immer wieder durch den Einsatz einiger Enthusiasten mehr oder weniger rein erhalten.


Heute existieren kaum Aufzeichnungen über die Stutenstämme und die Abstammungen der weiblichen Tiere sind sehr oft unvollständig. Bei den Hengsten ist die Situation etwas besser: Es blieben vier Hengstlinien erhalten wobei einzig die Hermolin-Linie direkt und nachweisbar bis nach Gut Knabstrup zurück verfolgt werden kann.
Die Abstammung von Silverking ist unklar. Während manche einen Ursprung bei schwedischen Knabstruppern sehen, vermuten andere eine Verwandtschaft zu Hermolin. Aber auch ein 1900 aus Russland importierter Tigerschecke wurde schon als Ahne von Silverking vermutet.
Die dritte Linie ist die Hugin-Linie. Bei diesem Hugin KNN 13 ist die Identität des Großvaters väterlicherseits nicht geklärt. Einzig dass er Tigerschecke war ist belegt.
Mit der Klaus-Linie haben wir die vierte und zugleich die seltenste Linie. Von seiner Mutter ist bekannt, dass sie Fredriksborger-Abstammung hatte - sein Vater ist als Knabstrupperhengst ohne Namen eingetragen.

 

Bei allen Wirren die der Knabstrupper - diese bunte Variante des alten Fredriksborger - überlebte, bei allen Modeströmungen in der Zucht, die diesen barocken Pferden zusetzte – wichtige alte Linien konnten erhalten und wertvolle genetische Ressourcen konnten bewahrt werden. Doch die Zukunft dieser barocken Rasse liegt heute einmal mehr in der Besinnung der Züchter auf die große Vergangenheit und Geschichte der getigerten Pferde.