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Grundsätzliches zur Farbvererbung

Übersicht über verschiedene Formen der Tigerscheckung

Vereinfacht gesagt geht heute davon aus, dass das Tigerscheckgen selbst noch keine Tigerscheckung macht. Vielmehr ist es wie ein Lichtschalter, der verschiedene andere Gene "einschaltet". So eben auch verschiedene Weißhelfer oder -verhinderer. Ein Weiß, unter dem es jede der bekannten Grundfarben (Rappe, Fuchs) sowie parallel die aufhellenden (Palomino, Dun...) und modifizierenden Gene (Agouti...) etc. geben kann. Mehr dazu in dem Artikel über die Pferdefarben...

Interessant in dem Zusammenhang ist aber, dass bei Pferden mit der Grundfarbe FUCHS eine größere Ausdehnung von Weiß festgestellt werden kann, Schwarz scheint diese Ausdehnung zu unterdrücken.


VOLLTIGER

LEOPARD

Der klassische Volltiger. Er hat auf jeden Fall nur eine dominante Kopie des LP-Gens und benötigt zumindest eine dominante Kopie des PATN1-Gens. Optisch kann ein Pferd mit zwei dominanten Kopien von PATN1 von einem Pferd mit nur einer dominanten Kopie nicht unterschieden werden.

  • Farbvererbung beim Knabstrupper

TIGER, weiße Decke getigert

NEAR LEOPARD

"Weißhelfer", "Weißverhinderer", Patterngene etc. - der Tigerscheckkomplex umfasst eine Reihe verschiedener Gene und steht mit ebenso vielen in Wechselbeziehung. Auf diesen Bildern sind Pferde dargestellt, die alle eine dominante Kopie von LP tragen...

  • historische Knabstrupper

WEISSE DECKE

Near Fewspot - False Fewspot - Snowcap
historische Knabstrupper

Ist dieses Pferd nun reinerbig für LP oder nicht? Ein "Beinahe-Fewspot" oder ein echter Snowcap? Grundsätzlich können Snowcaps so wie Fewspots nur aus Eltern kommen, die beide das LP-Gen tragen. Beim Snowcap geht man davon aus, dass andere "Weißhelfer" die geringere Weißausdehnung bewirken, er ist aber auch reinerbig für LP. Wie also unterscheiden? Abgesehen von den LP-tragenden Eltern haben reinerbige Tiere keine Tupfen, keine gestreiften Hufe etc. Falsche Snowcaps, also Pferde bei denen andere Weißhelfer (z.B. Sabino) wirken haben auch an dunklein Beinen gestreifte Hufe, oft eine ausgeprägte Blesse etc.


WEISSGEBOREN

FEWSPOT
  • historische Knabstrupper

Der echte Fewspot hat die dominante Form des LP-Gens doppelt. Je nach Grad der Weißausdehnung kann er relativ einfach als echter Fewspot erkannt werden. Charakteristisch ist am Beispiel rechts Oben und Mitte die triangelförmige Farbzeichnung vom Kronrand aufwärts, die gesprenkelte Zeichnung an den Karpalgelenken und ganz wenige Spots an Schulter und Hals aufwärts.

Ein vollkommen weißes Pferd wie rechts unten kann man - bis ein genetischer Test vorliegt -nur dann als echten Fewspot einstufen, wenn man die Vorfahren und ggf. Geschwister oder seine eigenen Nachkommen kennt.

Welches Pattern-Gen Fewspots haben, zeigt bis zum Vorliegen eines Gentests ihre Nachzucht.

Was also immer wieder als "Farbgarant" oder als "Farbvererber" beschrieben wird, muss in jedem Fall genauer betrachtet werden. Nur die echten Fewspots geben auch garantiert das für die Tigerung hauptverantwortliche LP-Gen an ihre Nachkommen weiter und liefern so die Basis für die gewünschte Scheckung. Wesentlich ist aber auch, welches Pattern-Gen mitgegeben wird...

 

"Falsche" Fewspots (siehe unten) sind aufgrund anderer Gene weiß. Sie haben trotz des großen Weißanteils nur eine dominante Kopie des LP-Gens. Oft ist das Sabino-Gen (wird dem Overo-Komplex zugeordnet --> siehe Farbvererbung) für diese extreme Weißausdehnung verantwortlich.


Bild links: Friese x Knabstrupper mit deutlichen Sabinoindikatoren (breite Blesse etc.) - Bild Rechts: Fohlen aus obigem Tigerschecken x Haflinger - dieses Fohlen KANN nur ein dominantes LP-Gen haben. Die extreme Weiß-Ausdehnung kommt also vom Sabino-Gen...


WEITERE MERKMALE

des TIGERSCHECKGENs
  • historische Knabstrupper

Gesprenkeltes Auge, "Menschenauge", gesprenkelte Körperöffnungen, gestreifte Hufe etc. All diese Merkmale sind weitere Indikatoren für das Tigerscheckgen, die gemeinsam auftreten KÖNNEN.

 


SONDERFORMEN & BESONDERHEITEN

DES LEOPARD-KOMPLEXES

Riesenflecken wie auf dem Bild unten links treten ab und an auf - auch der auf diesem Bild zu sehende "Palominofleck" kommt vor. Während Palominoflecken früher als Zeichen von "Adel" galten, weiß man heute, dass sie Bestandteil des Leopard-Komplexes sind. Diese Palominoflecken können auch so stark auftreten, dass das Pferd dreifärbig wirkt.

Unten Mitte ist ein Rappvolltigerfohlen zu sehen, unten rechts das gleiche Fohlen ein Jahr später. Dieses auch als Repigmentation bezeichnete Phänomen ist noch sehr wenig erforscht. Typisch für diese Form der Scheckung ist auch der auf den Bildern klar erkennbaren "Hof" rund um die dunklen Spots. Diese später auftretende Pigmentierung der Haare bleibt zusammen mit den Spots erhalten.

 

  • historische Knabstrupper

Die Bilderserie unten zeigt ein und das selbe Pferd in verschiedenen Altersstadien. Als Fohlen sieht man klar das vorhanden sein EINER dominanten Kopie des LP-Gens (weiße Spots auf der Kruppe - Schabracktiger). Mit den Jahren treten ihmmer mehr weiße Spots (kurzzeitig Schneeflocktiger) auf. Kann bis zum vollkommmenen Aufhellen des Pferdes führen - bis nur noch Schattenzeichnungen an den Knochenpartien zurückbleiben. Man geht bei dieser Zeichnung davon aus, dass das Roaning als Bestandteil des LP-Komplexes dafür verantwortlich ist. Diese Zeichnung kommt aber nur zur Geltung, wenn zum LP-Gen das PATN-Gen FEHLT! Da - wie beim Volltiger beschrieben - für die typische Tigerscheckung maximal eine dominante Kopie des LP-Gens sowie eine ODER zwei Kopien des PATN-Gens nötig sind. Pferde anderer Rassen haben NUR die rezessiven Formen der Gene PATN und LP. Darum können sie selbst auch nichts für die Tigerung bringt. In der Anpaarung mit Fewspots oder Tigerschecken können so sehr wohl wieder Tigerschecken entstehen - aber in jedem Fall gemischterbige hinsichtlich der typischen Farbe / Zeichnung. Auch aus diesem Grund ist Fremdblut weitgehend zu vermeiden, da dies wichtige genetische Ressourcen verwässert und somit letztendlich zum verschwinden beiträgt. Wichtiger Hinweis: Diese Erklärung bedeutet aber nicht, dass nicht auch aus reinstgezogenen Knabstruppern diese Zeichnung entstehen kann. Fremdblut begünstigt das auftreten lediglich. Genotypisch wird das pferd lediglich als LP lp patn patn beschrieben.